Als ich noch ganz klein war, ca. 2 Jahre alt, ließen sich meine Eltern scheiden. Zu der damaligen Zeit keine leichte Entscheidung für meine Mutter, denn damals war eine alleinstehende Frau mit Kind immer noch etwas anrüchig und man bekam nicht unbedingt einen Job, geschweige denn eine Wohnung. Daher zogen wir auch zurück zu meinen Großeltern und meine Mutter und ich „hausten“ zusammen in einem kleinen Zimmer. Meine Mutter arbeitete hart, lang bis in die Abende hinein und ging später sogar ins Ausland und ließ mich bei den Großeltern zurück.

 

Trotz aller Enttäuschungen und Widrigkeiten muss ich sagen, dass ich damals einige der schönsten Jahre meiner Kindheit erlebt habe.

Nichtsdestotrotz fühlte ich mich oft verlassen und allein und flüchtete mich in die zauberhafte Welt der Farben, der Malerei, des Zeichnens und des Lesens. Ich malte, zeichnete, wo ich ging und stand und erschuf mir so meine eigene, bunte, helle, freundliche Welt. Selbst die Bücher, die ich las, nein, nicht las – verschlang – lebten in meiner Fantasie in den buntesten Farben auf.

Später, als ich mein Abitur gemacht hatte, ging es darum zu entscheiden, wie mein weiterer Lebensweg aussehen sollte und was ich machen wollte. Meine gesamte Familie riet mir damals dazu, unbedingt etwas mit Sprachen machen zu müssen, da ich doch (zugegebenermaßen) so einfach und schnell Sprachen lernte und zu der Zeit konnte ich bereits Englisch und Französisch sehr gut. Französisch war meine zweite Muttersprache, weil meine Mutter mich mit neun Jahren nach Monte Carlo nachgeholt hatte und ich dort zwei Jahre in der École des Dominicaines zur Ganztagsschule ging.

 

Wie es nun mal so ist – sagen alle das Eine, machst du das Andere.
ICH WOLLTE MALEN!

 

Ich wollte kreativ sein, malen, zeichnen! Nichts anderes!

Ich bewarb mich an der Folkwangschule in Essen-Werden für Kommunikations-Design und wurde unter 500 Bewerbern angenommen! Die Studienzeit war die schönste und freieste Zeit, die ich erleben durfte und ich habe sie auch weidlich ausgenutzt – ich studierte 7 Jahre – mit gleichgesinnten Studienfreunden. Wir hatten ein gemeinsames Atelier, in dem wir zusammen arbeiteten, Musik machten, offene Lesungen hielten und natürlich Partys feierten. Eine wilde, eine wunderbare Zeit! Diese wurde jäh beendet durch den Selbstmord unserer Freundin und Ateliergenossin, die manisch-depressiv war und deren Eltern das Haus mit unserem Atelier gehörte. Keiner von uns konnte sich eine Fortführung ohne Bärbel vorstellen.

 

So schloss ich mit Diplom ab und ging nach München.
Lange Jahre arbeitete ich selbstständig als Kommunikations-Designerin im Bereich Illustration, Layout und Web-Design für Schulbuchverlage wie List-Schroedel, Langenscheidt-Longman, für die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Umwelt und für kleine und mittelständische Unternehmen.

Aber das war nicht das, was mich erfüllte – die Kreativität war doch oft sehr eingeschränkt und bestimmt durch die Vorstellungen und Erwartungen der Kunden. Irgendwann – auch der Lebenssituation geschuldet, dass meine Ehe scheiterte, ich mit den Kindern allein wohnte und nun einen festen Job brauchte, um uns über Wasser zu halten – gab ich die Selbstständigkeit auf und suchte mir einen anderen Job. Einen auf 400€-Basis zuerst in der Schule meiner Töchter, dann in der neu entstandenen BMW-Welt, die damals noch fast eine Baustelle war, als wir dort anfingen, den Kundenservice aufzubauen und dann bei Edenred Deutschland, wo ich in den nun fast 10 vergangenen Jahren so viel gelernt habe.

Diese Tätigkeit ermöglichte es mir zu leben, nicht nur zu überleben, sondern wirklich zu leben und das gab mir Raum, irgendwann meine Kreativität wiederzuentdecken! Endlich! Zuerst näherte ich mich der Leinwand mit sehr viel Respekt, um nicht zu sagen Angst und wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Der „Einfachheit“ halber fing ich mit realistischen Darstellungen und Stillleben an. Glas hatte es mir auf Grund der Komplexität der Darstellung angetan! Auf diesem Gebiet habe ich es doch zu einiger Meisterschaft gebracht und schloss das Thema mit meiner „Hommage à Stoßkopf“ für mich ab. Das war nur Technik und ich wollte mehr!

 

So kam ich nach und nach zur abstrakten Malerei und ich wusste – das ist es! Das ist meins! Endlich konnte ich mit Farben, Formen, Materialien spielen, wie ich wollte und wie mir in dem Moment gerade zumute war! Und was das Beste war – den Leuten gefiel es! Nicht nur meiner Familie und Freunden, sondern auch Außenstehenden, fremden Menschen, die nichts von mir und meiner Geschichte wussten!

Seitdem male ich, gebe meiner Intuition meiner Stimmung Ausdruck und lasse mich darin durch nichts mehr einschränken. Malen ist wie atmen für mich, ich kann nicht ohne, ich MUSS! Das ist mein Leben und das bringe ich zum Ausdruck in jedem einzelnen meiner Bilder, einzigartig wie mein Fingerabdruck.